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Теодору Шторму - Письма (Апрель 1864-декабрь 1865) - Мемуары и переписка- Тургенев Иван Сергеевич



18 (30) ноября 1865. Баден-Баден

Baden-Baden.

Schillerstrasse, 277.

Donnerstag, d. 30. Nov. 1865.

Mein lieber und werther Gast!

Ich hätte schon seit einer Woche auf Ihr freundliches Schreiben antworten sollen - aber wir sind eben hier im vollsten Jagdfeuer - und da hat man am Tage keine Zeit und Abends ist man so abgespannt und so müde, dass man keine zwei ordentliche Gedanken im Kopf hat - und das wenige, das man etwa zusammenraffen könnte, unmöglich auf's Papier bringen kann, zumal in einer Sprache, die einem doch erne fremde ist. Nun ist aber Hire hübsche Gabe angekommen1 - und da muss ich doch auf's Beste danken und Ihnen sagen, wie sehr ich mich auf Ihre Bekanntschaft gefreut habe und noch freuen werde - denn mein Gast müssen Sie im kommenden Jahre sein - Ihre "graue Stadt am Meere"2 liegt ja so weit! Auch müssen Sie nicht darüber reflectiren, Sie hätten sich hier nicht so ausgesprochen, wie Sie es eigentlich gewünscht hätten: die besten Menschen, wie die besten Bûcher - sind die, wo man vie! zwischen den Zeilen liest - und dass es geschehen ist - dafür bürgt mir das liebevolle Andenken, in welchem Sie hier bei der Familie Viardot - und sonst - geblieben sind. Der Schatten Ihres herben Verlustes lag noch auf Ihrem ganzen Wesen3 - aber die schönen Strahlen leuchteten daranter - und wir wollen auf s nächste Jahr - das besle hoffen. So vie! ich Sie kenne, purpurroth war es und wird es nie - aber es wird mehr des lilafarbigen als des grauen geben.

Ich habe mich noch nicht an Ihr Buch gemacht (das Exemplar, fur Mme Viardot bestimmt, bekommt sie als Weihnach tsgabe zu ihrer Rückkehr aus Berlin)4 - werde es aber am ersten ruhigen, stillen Tag lesen - und verspreche mir viel Vergnügen davon. Ich habe eben an meinen Verleger geschrieben, damit er Ihnen die beiden Bändchen der Bodenstedt'schen Uebersetzung zuschickt - und bitte Sie diese kleine Gegengabe als ein Zeichen wahrer Sympathie anzunehmen5. Ich bin ganz stolz darüber, dass meine Skizzen in Ihrem Hauskreise gelesen werden: das will viel sagen!

Mein Freund Viardot lässt Sie aufs Beste grüssen. Sie haben sich nicht in ihm geirrt: in manchen Puncten ist er kein Franzose. Jedenfalls kein Franzose wie V Hugo, z. B.-- mit seinen ganz scheusslich fratzenhaften "Chansons des rues et des bois". Dass solch ein sich Er-brechen der absoluten, ebenso tollen als platten Rohheit nicht gleich mit Unwillen hinausgeschmissen wird - ist doch ein Urtheil über die ganze Nation6!

Und nun leben Sie recht wohl - und empfangen Sie meinen herzlichen Grass.

I. Turgeneff.

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